“Einchecken” – Hallo hier bin ich! (3/3)

Teil 1 zum Begriff des “Eincheckens” und eine kurze historische Betrachtung wurde bereits veröffentlicht. Teil 2 behandelte die Frage: “Warum überhaupt den Aufenthaltsort mit anderen teilen?” und in diesem Teil geht es um darum, welche Dienste es gibt und welche Kritikpunkte es rund um die Erfassung von standortbezogenen Daten gibt.

Privatsphäre: “Warum sollte ich Interesse haben, dass jeder weiß wo ich bin?”

Der Schutz der Privatsphäre ist einer der am meisten geäußerten Kritikpunkte im Zusammenhang mit ortsbezogenen Diensten. Schließlich könnten solche personenbezogenen Informationen möglicherweise auch missbräuchlich verwendet werden. Letztes Jahr haben verschiedene Beiträge für Furore in den Medien gesorgt.

  • Please rob me! (Bitte raube mich aus!)”. Dabei wurden öffentliche Statusmeldungen der Checkin-Dienste aus Twitter ausgewertet. Denn jemand der unterwegs ist, kann ja eigentlich nicht gleichzeitig auch daheim sein. Ergebnis: eine tolle Story, allerdings mit wenig Relevanz für die Praxis: Räuber – die sich gezielt für meine hochwertigen Besitztümer interessieren – warten wahrscheinlich doch besser vor meinem Haus und schauen ob ich nicht heimlich von daheim eingecheckt habe. Oder sie kommen einfach, wenn ich im Büro bin.
  • Die Zeit Online hat mit ihrem Projekt “Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten” den Online Journalism Award gewonnen. Dabei wurden die vom Grünenpolitiker Malte Spitz von der Telekom eingeklagten Vorratsdaten aufwendig mit zusätzlich vorhandenen öffentlich zugänglichen Informationen verknüpft und aufgearbeitet. Bedenklich an der Vorratsdatenhaltung ist insbesondere, dass personenbezogene Daten ohne die Zustimmung des einzelnen erfasst und vorgehalten werden. Dagegen richtet sich der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.

Gut zu wissen, dass eigentlich alle der genannten Anwendungen rein privat genutzt werden können. Außerdem kann der Aufenthaltsort auch gezielt nur mit dem eigenen Freundeskreis – also nicht öffentlich – ausgetauscht werden. Jeder Nutzer bestimmt selbst, ob, wann und mit wem er seinen aktuellen Aufenthaltsort austauschen möchte. Auf eine standardmäßig öffentliche Verteilung seiner Check-ins sollte vorsichtshalber verzichtet werden. Nicht nur wegen der eigenen Privatsphäre… sondern weil es Andere im Normalfall auch nicht interessiert.

Google Latitude Aufzeichnung

Ausschnitt aus eigenem Bewegungsprofil (mit Hilfe von Google Latitude erfasst)

Wer seinen Check-ins nur ganz privat erfasst und auch nicht mit Freunden teilt, verpasst hingegen spontane Treffen, wenn sich z.B. eine Freundin auf Reisen zufällig auch in der Stadt aufhält. Der Effekt des zufälligen und unerwarteten Aufeinandertreffens wird auch mit dem Fachbegriff “Serendipity” (Serendipität) bezeichnet.

Welcher Check-In Dienst ist der Beste?

Es gibt mittlerweile sicher Dutzende Checkin-Dienste. Leider funktionieren die meisten Dienste nur isoliert voneinander. So bleibt z.B. ein Checkin via yelp unbemerkt von Freunden die FourSquare nutzen.

An Auswahl mangelt es nicht… Die Qual der Wahl

Die wohl bekanntesten internationalen ortsbasierten Dienste sind FourSquare, Gowalla und yelp. Lokale Anbieter sind Qype und Friendticker. Aber auch zwei große Player – Facebook und Google – haben die Checkin Funktion in ihre Sozialen Netzwerke eingebaut.

Die große Anzahl an Diensten bei einem Markt der noch vor dem Durchbruch steht, bringt einen hohen Wettbewerbsdruck mit sich. Kein Wunder, dass die Konsolidierung der Anbieter bereits begonnen hat – Facebook kaufte vor kurzem Gowalla.

Ich möchte nun wirklich keine Empfehlung geben – probiert selbst einmal verschiedene Dienste aus. Sprecht mit Freunden, ob und welche Dienste sie nutzen. Verschafft Euch einen Eindruck darüber, welcher Dienst nützlich ist und auch Spaß macht.

Aber Achtung! Sozialen Akzeptanz und Etikette …

Im Selbstversuch habe ich in den letzten Monaten verschiedene Dienste oft auch parallel genutzt. Daher eine kleine Warnung vorab: Einchecken dauert seine Zeit…

Die Anwendung muss zuerst den Standort lokalisieren und dann eine Liste möglicher Lokationen der näheren Umgebung laden. Da die Ortsbestimmung durch fehlendes GPS in Gebäuden nur ungenau funktioniert, muss eventuell eine längere Liste durchgescrollt werden. Eventuell fehlt der Ort sogar und muss vor dem Checkin erst noch angelegt werden. Allerdings haben die ersten Nutzer bereits gute Arbeit geleistet und viele Lücken gefüllt.

Sich längere Zeit mit dem Einchecken zu beschäftigen – auch diskret mit dem Handy unter dem Tisch – stößt allerdings nicht unbedingt auf sonderlich viel Verständnis beim Rest der Gruppe… 8-/

Es besteht aber noch Hoffnung: In Zukunft soll das mit Hilfe neuer Funktechnologien (Near Field Communication) deutlich schneller und einfacher gehen. Auch die Gestaltung der Anwendungen hat noch Potential und kann den Vorgang weiter vereinfachen.

Auch wichtig für die Etikette: Viele Dienste bieten an, auch gleich die Freunde mit einzuchecken. Es empfiehlt sich unbedingt, vorher mal zu fragen ob das okay ist ;)

Und jetzt?

Jetzt sollte klar sein, um was es beim Einchecken geht. Warum das Spaß machen oder auch hilfreich sein kann. Das Kleingedruckte wurde besprochen, mögliche Risiken sind bekannt und können reduziert werden.

Also dann – auf geht´s… probiert es selbst einmal aus und checkt ein :)

“Einchecken” – Hallo hier bin ich! (2/3)

Teil 1 zum Begriff des “Eincheckens” und eine kurze historische Betrachtung wurde bereits veröffentlicht. Dieser Teil behandelt nun die Beantwortung der Frage: “Warum überhaupt den Aufenthaltsort mit anderen teilen?”

Ursprüngliche Idee für ortsbezogene Check-in Dienste

Mit dem Erwachen des mobilen Internets wurden immer mehr ortsbezogene Apps entwickelt, damit Nutzer Tipps zu Plätzen abrufen und auch eigene Bewertungen hinterlassen können. Eine weitere Idee ist auch, einfach zu sehen wo die eigenen Freunde gerade unterwegs sind oder an welchen Orten gerade besonders viel los ist (also ob viele Leute eingecheckt haben).

Hin und wieder bieten Unternehmen auch spezielle Angebote für Kunden, die bei ihnen einchecken. Diese gibt es dann z.B. für den ersten Besuch, wenn jemand regelmäßig vorbeikommt oder auch ein paar Freund mitbringt. Beispiele dafür sind die Specials beim Check-in Dienst FourSquare. Specials sollen Neukunden anlocken und treue Bestandskunden belohnen. Dabei sind andere Länder in Sachen Social Media Marketing übrigens bereits viel weiter als wir in Deutschland.

Screenshot: Sonderangebot für Stammkunden der Niederlassung bei FourSquare

Ganz nebenbei ist jedes Einchecken moderne Mundpropaganda. Nutzer des FourSquare Dienstes haben durchschnittlich ca. 60 Kontakte, die – wenn der Check-in nicht privat war – damit auch interessante neue Orte von ihren Freunden kennenlernen (eigene Mini-Erhebung zur Nutzung von Check in Diensten).

Check-in – weil es Spaß macht

In der Realität werden Check-in-Anwendungen aus sehr unterschiedlicher Motivation eingesetzt. Für viele Nutzer ist es der spielerische Ansatz. Bei fast allen Diensten werden Titel für bestimmte Errungenschaften vergeben. Als Nutzer mit den meisten Check ins an einem Ort wird man beispielsweise bei FourSquare “Mayor” und sammelt auch so verschiedene Medaillen (siehe Profil) oder wird bei yelp – einem anderer Check-in Dienst – erst “Herzog” eines Ortes, dann “Baron” des Stadtteils und später gar der “König” der Stadt…

Screenshot Yelp!

Eine interne Rangliste unter Freunden spornt an, die App möglichst häufig zu nutzen – denn für jeden Check-in gibt’s Punkte. Manchmal gibt es auch Extra Punkte, z.B. wenn der “Mayor” auch gerade im Haus ist oder Orte in einer individuellen Kategorie besonders häufig besucht wurden. Der spielerische Ansatz wird übrigens vermehrt in verschiedenen modernen Anwendung zur Motivation der Nutzer eingesetzt. Der Fachbegriff dazu heißt “Gamification“. Dazu ein anderes Mal mehr.

Screenshot FourSquare Rangliste

Check-in – für die Statistik

Andere Nutzer sind eher an den statistischen Auswertungen interessiert: An welchen Tagen oder mit welchen Freunden bin ich am meisten unterwegs? Wo habe ich an einem bestimmten Tag eingecheckt? Diese Art der Nutzung interessiert nicht nur die Anhänger der “Quantified Self” Bewegung, die insgesamt mehr über ihr eigenes Verhalten erfahren möchten. Auch zu diesem Thema ein anderes Mal mehr.

Screenshot FourSquare Statistik Dashboard

Auch Unternehmen erfahren mehr über ihre Kunden, wenn diese der Weitergabe demografischer Informationen zustimmen. Das hilft dabei Kunden besser zu verstehen und passende Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Mit Hilfe von zeitlich begrenzten Spezialangeboten können Unternehmer eher auslastungsschwache Zeiten gezielter vermarkten, als das bei vielen anderen Diensten möglich ist.

Teil 3 “Was gibt es zu beachten und welcher Dienst ist der Beste?

“Einchecken” – Hallo hier bin ich! (1/3)

Im ersten Teil der dreiteiligen Serie wird erklärt, woher der Begriff kommt, was er bedeutet und wie alles anfing.

Was bedeutet “einchecken”?

Einchecken war bislang ein eindeutig definierter Begriff: Jeder, der mit dem Flugzeug in die weite Welt verreisen möchte, muss vorab in seinen gebuchten Flug einchecken. Die Fluggesellschaft weiß damit genauer, wer tatsächlich plant mitzufliegen. Das ist eine wichtige Information für die Abfertigung, da Flüge wegen einer hohen Rate nicht erscheinender Fluggäste zur Optimierung der Auslastung meist überbucht werden…

Neuerdings wird der Begriff Einchecken verstärkt auch für ganz andere Vorgänge benutzt. Ich checke im Restaurant, Café, Theater oder Kino ein… im Prinzip überall wo ich mich aufhalten kann. Nutzer anderer Dienste checken immer vom selben Ort ein: vom Sofa aus in das aktuelle Fernsehprogram ;)

Kurzer Rückblick in der Geschichte ortsbezogener Dienste

Ortsbezogene Dienste sind gar nicht so neu. Sie gibt es jedenfalls nicht erst seit dem iPhone… Das erste Gerät, welches einen ortsbezogenen Wetter und Verkehrsdienst angeboten hat, war der Palm VII im Jahr 1999 (lt. Wikipedia Artikel).

Später wurden erste Anwendungen entwickelt, die Personen und Orte zusammenbrachten. Eine der ersten Anwendungen war Dodgeball (2000), welches ursprünglich  noch auf Basis von SMS funktioniert hat. Das Unternehmen wurde 2005 von Google gekauft, der Dienst dann 2009 eingestellt bzw. durch Google Latitude ersetzt.

The Dodgeball Shut-Down Party.  (Fri March 6 @ Bowery Electric, NYC).  Well, old friend, I guess we knew this day would come.  xo 4eva, dpstyles97

Abschiedsparty für Dodgeball (CC-BY 2.0 – dpstyles@flickr)

Das war natürlich noch nicht das Ende – die Gründer haben Google bereits 2007 verlassen und starteten 2009 ihren neuen Dienst FourSquare.

Teil 2 “Warum teile ich meinen Aufenthaltsort mit anderen?
Teil 3 “Was gibt es zu beachten und welcher Dienst ist der Beste?